Menschenwürdige Behandlung von Transidenten gefordert - ausführlich

Am Donnerstag, 19. Juli 2018,  hatten die Westersteder GRÜNEN die Natur- und Kultur-Wissenschaftlerin Schröter, Mitglied des “ Bundesverbandes Trans* “ zu Gast. Frau Schröter erklärte, daß “ Transidentität “ vorliegt, wenn bei einem Menschen Gehirn und Seele dem einen Geschlecht entsprechen, der Körper jedoch Merkmale des anderen Geschlechts aufweist." Transidentität " ist begrifflich abzugrenzen gegen " Transvestitismus ", " Travestie " und " Homosexualität ".

Entgegen manchen Behauptungen ist “ Transidentität “ kein “ Modetrend “; sie gab und gibt es zu allen Zeiten und in allen Völkern. Bei den Indianern Nordamerikas wurden Transidente sogar als “ two-spirit-people “ verehrt, da sie den " spirit " / " Geist " von " Mann " UND " Frau " kennen. Von Ureinwohnern Sibiriens wird berichtet, daß dort hochrangige Schamanen oftmals die Geschlechtsrolle wechselten, was das Ansehen förderte.

Auch in Europa war Transidentität früher kein “ Problem-Thema “: Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde das strenge “ Bi-Polare Sexual-Modell “ konstruiert, wonach es nur “ Mann “ und “ Frau “, mit extrem streng festgelegten Merkmalen und gesellschaftlichen Rollen und Pflichten gäbe. Wie die heutige Wissenschaft betont, sind “ männlich “ und “ weiblich “ nur “ Trends “ in einem großen, weiten Kontinuum. Jeder Mensch weist individuelle Merkmale auf, die jeweils in unterschiedlicher Aus- prägung auf diesen breiten Skalen zu finden sind. Jeder Mann und jede Frau haben auch anders- geschlechtliche Hormone; alle Personen besitzen die “ Bi-Sexuelle Potenz “. Um zwei Beispiele für diese Komplexität zu bringen: Auch Frauen haben Testosteron ( = männliches Sexual-Hormon ) im Blut; auch Männer haben Brustwarzen, obwohl diese bei ihnen ohne irgendeinen Sinn sind.

Im 19. Jahrhundert wurden Transidente den Psychiatern ausgeliefert und bei den Nazis galten sie als “ Homo- sexuelle “ und wurden - zusammen mit den “ echten Homosexuellen “ - in KZs. massakriert. Die Nazis behaupteten auch, daß Transidente spezielle Gene per Zeugung an die nächste Generation weitergeben, was dann die Arische Rasse gefährden würde. Dieser Nazi-Gedanke wurde übrigens bis 2011 vom Deutschen Staat weitergeführt: Transidente mußten sich bis 2011 kastrieren lassen und scheiden lassen, um eine “ Vornamens- und Personenstandsänderung “ genehmigt zu bekommen. Erst in 2011 hat das Bundes-Verfassungs-Gericht diese “ Regelung “ verboten. Obwohl, so Schröter, “ Transidentität “ “ pränatal “ ( = vorgeburtlich ) und ORGANISCH - also NICHT psychisch - verursacht ist, werden Transidente immer noch den Psychiatern ausgeliefert, die mit der “ I C D “-Diagnose “ F 64 . 0 “ diese Personen dann pauschal als “ geisteskrank “ einstufen ( “ I C D “ = “ International Classsification of Diseases “ = “ Internationales Verzeichnis der Krankheiten “ ) und de facto entmündigen. Um es vereinfacht auszudrücken: Bei Transidenten werden Gehirn und Körper während der Zeit im Mutterleib “ hormonell anders programmiert “. Die sog. “ Psycho-Pathologisierung “ ( Einstufung als “ geisteskrank “ )bedeutet “ totale Fremdbestimmung “; d. h.: die Psychiater entscheiden in Selbstherrlichkeit per Gutachten, ob z. B. eine “ äußerliche Frau “ sich “ Richtung Mann “ verändern darf.

Im ungünstigsten Fall “ darf “ eine Transperson zu ca. fünf Psychiatern “ marschieren “, die dann 1 Gutachten für die Hormon-Verschreibung, zwei Gutachten für die “ Vornamens- und Personenstands-Änderung “ und zwei Gutachten für die “ Geschlechts-Angleichende Operation “. Beliebte Fragen der Psychiater bei der Zwangs-Begutachtung beziehen sich z. B. auf “ Masturbieren “, “ Orgasmus “, “ Charakter von Vater und Mutter “, “ Dauer der Bettnässer-Phase “, “ Religions-Zugehörigkeit “, “ Art der Religions-Aus- übung “, usw. .. Nach dieser maximal intim-ekligen Befragung heißt es dann oftmals “ Hose runter ! “ und anschließend werden die bei einer Transfrau dann noch vorhandenen männlichen Genitalien ausgiebig “ abgetastet “. Zudem müssen Transfrauen und Transmänner oftmals einem Geschlechts-stereotypischen Bild in Äußerem und im Verhalten entsprechen, so daß Transpersonen das Ausgeliefert-Sein an die Psychiater als “ Frauen-TÜV “ oder “ Männer-TÜV “ charakterisieren. Nur zur Erinnerung: Im Artikel 1 des Grundgesetzes steht “ Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt . “

Während in Deutschland die Juristische Komponente der “ Transition “ ( = Geschlechts-Angleichung ) ein Bürokratisch-aufwändiges Gerichsverfahren ist, das bis zu ca. 2 Jahren dauert, hat man es in anderen Ländern Europas und der Welt als kurzes Verwaltungsakt-Verfahren konzipiert. In dem in Deutschland lang-andauernden Zeitraum, wird die Transperson gezwungen, den sog. “ Alltags-Test “ zu absolvieren ( z. B. ganz als Frau zu leben und sich so zu kleiden ) und nimmt Hormone ( die den Körper verändern ), hat jedoch immer noch den alten Personalausweis mit dem “ alten Namen “ . Das führt permanent zu Irritationen, da z. B. die entspr. Transfrau ein feminines Äußeres hat, wenn sie am Postschalter ein Paket abholen will, im Ausweis , den sie vorlegen muß , jedoch “ Kunibert Mustermann “ steht. Hier kann man also von dauernden Zwangs-Outings, von einem permanenten " sich-erklären-müssen " sprechen. Während eine Transperson in Deutschland andauernd um biologisch- medizinische, selbstverständliche, absolut sinnvolle Therapien kämpfen muß, wird sie auf der anderen Seite zu einer Zwangs-Psycho-Therapie “ verdonnert “, in der er / sie wie ein “ dummes, kleines, unmündiges Wesen “ bevormundet wird und “ unter strenger Aufsicht “ das “ Frau-Sein “ oder “ Mann-Sein “ erlernen “ darf “. Im Gegensatz dazu darf jede Nicht-Trans-Person “ einfach so “, also OHNE Psycho-Zwangs-Therapie sich von Mädchen zur Frau oder vom Jungen zum Mann entwickel,

Neben möglichen z. B. Juristischen, Hormonellen und Geschlechts-Operativen Verfahren kann eine “ Transition “ auch z. B. Logopädie ( Stimmtraining ), Brustaufbau ( bei Transfrauen ), Brustentfernung ( bei Transmännern ), Epilation ( = Bart- und Körper-Haar-Entfernung per Laser oder Nadel; bei Transfrauen ), Stimmbandoperation ( Transfrau ) u. a. umfassen. Seit 2011 muß sich eine Transperson nicht mehr kastrieren lassen, muß keine Hormone nehmen und muß sich nicht mehr von Partner(in) scheiden lassen. Insgesamt ist das Verfahren von Willkür, Hürden-Aufbau, Bürokratie und Unmenschlichkeit geprägt, die Dauer-Kampf und Dauer-Streß bedeuten, so daß heutzutage jede zweite Transperson mindestens einen Selbstmord-Versuch hinter sich hat. Völlig veraltete Begriffe, wie “ transsexuell “, die “ SEX “ = “ Geschlechtsverkehr betonen und Transidente in die Nähe von “ Shemale-Hu- ren “ rücken sowie eine " geschlechtliche Orientierung " implizieren, erschweren zusätzlich die Soziale Akzeptanz. Einige Menschen gehen auch davon aus, daß “ Transidentität “ quasi eine per Viren oder Bakterien verbreitete Krankheit sei, die hochgradig ansteckend ist. Während allgemein die Arbeitslosenquote im geringen einstelligen Bereich ist, beträgt sie bei Transidenten ca. 20 % . In ihrem Vortrag forderte die Wissenschaftlerin, daß “ Transidentität “ endlich ent-pathologisiert werden soll, also nicht mehr als Geisteskrankheit gilt. Ferner verlangte Frau Schröter einen Verbleib der notwendigen Therapien im Leistungskatalog der Krankenkassen. “ Schwangerschaft “ ist ja z. B. ebenfalls keine “ Krankheit “, begründet jedoch trotzdem ein Anrecht auf Medizinische Begleitung und Hilfe. Die Wissenschaftlerin forderte ferner den Grundsatz der Selbstbestimmung und jeweils eine Individuellen Behandlung. Das Deutsche Bundesverfassungsgericht hat ebenfalls mehrfach das völlig veraltete “ Transsexuellen-Gesetz “ aus dem Jahre 1980, das immer noch den Geist des 19. Jahrhunderts und des sog. III. Reiches repräsentiert, in Teilen für Verfassungs-widrig erklärt und die Verabschiedung eines modernen “ Transgender-Gesetzes “ gefordert. In einem Rechtsgutachten der Humboldt-Uni., das von der Bundesregierung in Auftrag gegeben wurde, wird u. a. dargelegt, daß Psychiater auch durch Zuwerfen eines Balles und Dokumentation der “ Ball-Auffang-Technik “ oder durch Bewertung der “ Pullover-Auszieh-Verfahrens “ der jeweiligen Transperson ihre “ Gutachterliche Entscheidung “ festlegen. Dieses Rechtsgutachten aus 2016/17 stellt ebenfalls fest, daß Deutschland aktuell massiv gegen Menschenrechte verstößt.

In dem anschließenden Gespräch gaben die Westersteder GRÜNEN ihrem Entsetzen Ausdruck, daß im 21. Jahrhundert Menschen derart inhuman behandelt werden. Die GRÜNEN fordern ebenfalls eine gründliche Beratung und Hilfe für Transidente, die jedoch auf Selbstbestimmung und Menschlichkeit basieren muß und sich an den individuellen Gegebenheiten der jeweiligen Transperson auszurichten hat.

URL:http://www.gruene-wst.de/westerstede/menschenwuerdige-behandlung/